Buddhistische Lesung im Dialogforum München Nord e.V. in Unterschleißheim

Im Rahmen einer Abendveranstaltung des Dialogforums München Nord e.V. am 22. 04. hat Hr. Ulrich Freistädtler im Vereinssaal des Bürgerhauses Unterschleißheim aus einem kürzlich aus dem Tibetischen übersetzten Text gelesen. Herr Freistädtler ist sowohl im „Südlichen“ (Theravada oder Hinayana) wie auch seit ein paar Jahren im „Nördlichen“, insbesondere dem Tibetischen Buddhismus (Vajrayana) bewandert.

Nebst einer Gruppe von Mitgliedern des Dialogforums konnten mehrere interessierte Gäste aus den umliegenden Gemeinden begrüßt werden. Von besonderer Freude war die Anwesenheit des weltweit bekannten Ehrenwerten Tulku Sonam Choedop Rimpoche. Dieser stammt aus der Provinz Kham in Tibet und ist nach seiner Flucht aus Tibet nun im Kloster Namdroling in Südindien zu Hause (http://tulkusonam.blogspot.com). Tulku Sonam ist der spirituelle Lehrer von Hr. Freistädtler und hält sich momentan in der Umgebung von München auf.

Seiner Lesung hat Hr. Freistädtler einige wesentliche Einführungsworte vorangestellt. Diese enthielten den wesentlichen Hinweis für das Verständnis des Textes, nicht alles gleich verstehen und bewerten zu wollen, vor allem intellektuell, um innere Widerstände zu vermeiden. Dies würden ein Verständnis des Textes behindern. Man solle versuchen „mit dem Herzen hören“. Dabei bezog er sich beispielsweise auf Anrufungen, die leicht zu Missverständnissen führen können. Er wies auch darauf hin, dass einige schwer zu übersetzende Passagen in der Originalsprache Tibetisch gelesen würden. Leider war der Vortrag akustisch etwas leise, ist aber im Buddhistischen Umfeld nicht ungewöhnlich, in dem die Texte natürlich besser bekannt sind.

Der übersetzte Text stammt aus der Dzogchen-Tradition und ist in den Himalaya Ländern und in Indien sehr bekannt: Longchen Nyningtik Ngöndro. Es ist eine Praxisanweisung für Menschen, die den älteren Buddhismus Tibets kennen lernen oder auch weiter studieren möchten. Er besteht aus drei Hauptteilen:

  1. Die äußeren Vorbereitungen, bestehend aus lebensverändernden Betrachtungen und Übungen, welche den Geist vom Daseinskreislauf abwenden sollen.
  2. Die inneren Vorbereitungen inspirieren den dringlichen Wunsch, dem Weg der Befreiung und Erlösung zu folgen.
  3. Heilung und Reinigung von Verblendungen. 


Die Lesung des Textes war sehr meditativ und zumindest für die dem Buddhismus nahe stehenden Zuhörer eine schöne Erfahrung.Die anschließende Diskussion war sehr lebhaft, aber nicht unerwartet geprägt vom jeweiligen religiösen Hintergrund der Teilnehmer. Sie hat auch gezeigt, dass sich einige Zuhörer zu wenig die der Lesung vorangestellten Hinweise zu Herzen genommen haben. Viele Fragen haben sich mit der Bedeutung von Begriffen wie Gott, Heilige, Anrufung, Gebet und weitere vor allem in der Christlichen Religion grundlegenden Worte beschäftigt. Allen Umständen zum Trotz war der Abend gut gelungen. Er hat eine bunte Mischung von Menschen zusammengeführt und diesen die Möglichkeit gegeben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es darf angenommen werden, dass zwischen dem einen oder anderen sogar ein Dialog entstanden ist.Dr. W. Heller