Mit Mut und Charisma auf schwierigem Terrain - Benjamin Idriz, Imam der islamischen Gemeinde Penzberg am 18.02. 09 in Unterschleißheim

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren fand B. Idriz, Imam der islamischen Gemeinde Penzberg ein interessiertes Publikum in Unterschleißheim. Aus den Medien ist der Imam vielen von uns bekannt durch sein Konzept, in München ein europäisches Zentrum für Islam in Europa zu errichten (ZIEM), das ein Ort der Begegnung aller Religionen und eine Ausbildungsstätte für Imame und Religionslehrer/Innen sein sollte.
Es war eine Art Grundsatzerklärung, die der Imam im Sitzungssaal des Rathauses vorlegte. Er sprach von den gesellschaftlichen Herausforderungen für die Musliminnen und Muslime in Deutschland, die eigenen Werte und ihr Selbstverständnis zu überdenken: „Wir bedürfen einer Bestimmung unseres Verhältnisses zu der Gesellschaft, für die wir uns entschieden haben und mit der wir uns identifizieren“. Er nannte u.a. ausführlicher zwei Akteure von denen dieser Aufbruch in Bewegung gebracht werden kann.
Dies sind zum einen die muslimischen Führungskräfte: „Ein Imam oder ein angesehener Muslim kann in seinen eigenen Reihen mehr bewirken als ein Minister, ein Politiker oder ein Autor“. Dazu muss er über eine ausreichende sprachliche und kulturelle Kompetenz verfügen und seine Leute dort abholen, wo sie stehen, „am Fuße des Integrationsgipfels“. Die Moscheen müssten offene Orte sein, „für Menschen ohne Unterschied ihres Geschlechtes, ihrer Rasse, ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Weltanschauung, nicht einer Ideologie oder politischen Zugehörigkeit verpflichet.
Zum anderen ist das existentielle Miteinander von Muslimen/Innen und Nicht-Muslimen/Innen nur möglich durch ein aktives, sichtbares Mitwirken muslimischer Frauen in unterschiedlichsten Bereiche des öffentlichen Lebens.

Der Weg zur Integration, so weiter, führt über Deutschkenntnisse und die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber die Zugehörigkeit zur globalen Weltgemeinschaft erfordert auch die Anerkennung „globaler menschlicher Werte wie Gerechtigkeit, Respekt vor dem eigenen und dem anderen Leben, Aufrichtigkeit und die Freiheit des Einzelnen“. Die gelebte Einigkeit in grundlegenden menschlichen Werten, die sich auch aus gemeinsamen religiösen Grundlagen ableiten lässt, ist das Fundament, auf der niemand mehr Assimilation befürchten muss.

Gemeinsamkeit, ein wirkliches Miteinander kann nur gemeinsam erreicht werden. Es verlangt eine „offene Aufnahmegesellschaft und gleichermaßen kooperative Migranten. Integration muss aber zu einer Aktion wachsen, die von Muslimen selber kommt“. Imam Idriz stützt sich in diesem Zusammenhang auf eine Äußerung von Prof. Köktas (islamischer Religionswissenschaftler an der Uni Frankfurt), der in pointierter Weise die Eigenständigkeit der in Deutschland lebenden Muslime anmahnt. Statt sich in „Ablegern von Organisationen aus der Türkei zu verorten“ und auf die zahlenmäßige Stärke zu bauen, sollten sie ein intellektuelles und akademisches Potential aufbauen, das in der Lage ist, die Voraussetzungen für die Entwicklung eines modernen, eines Islam in Europa zu schaffen und das insbesondere die heranwachsende islamische Generation in den europäischen Kontext einzubinden vermag. Es geht nicht rückwärts gewandt sondern nach vorne blickend darum, den Weg für die kommende Generation zu öffnen, für deutsche selbstbewusste Muslime, die sich mit dem Land und den Leuten identifizieren.
Imam Idriz hat nicht nur eine Vision von Zielen vorgestellt, sondern auch den Weg dahin aufgezeigt, in einer Weise, die Mut macht, mit in diese Anstrengungen eines noch langen Weges einzusteigen.

Das Dialogforum organisiert für Samstag, den 16. 05. 09 (Abfahrt 13.00 Uhr am Parking unter der Le Crés Brücke) einen Besuch bei der islamischen Gemeinde in Penzberg. Wir laden herzlich ein, mitzufahren und bitten um schriftliche oder telefonische Mitteilung (e-mail: info@kultur-religion-dialog.de; tel 089-3104729).