Ankommen in unserer Gesellschaft

Gespräch im Interkulturellen/-religiösen Dialogforum München – Nord am 20.09. 2007 in

Am Dialog beteiligten sich 17 alte und neue Mitwirkende, darunter Mitglieder des Integrationsbeirates von Garching und Unterschleissheim, des Kreisjugendringes und des Jugendzentrums Garching sowie ein freier Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung.Zwei Teilnehmerinnen (türkisch-deutsch, seit 19 Jahren in Deutschland und bulgarisch/deutsch, seit 8 Jahren in Deutschland) schilderten anschaulich ihren Weg in unsere Gesellschaft. Die Bereitschaft und das Interesse für fremde Sprachen, ein kulturell offener Horizont standen am Anfang ihres Weges und haben deutlich ihre Wege bestimmt. In beiden Fällen handelt es sich nicht um typische Migrationskarrieren. Beide haben noch ein „zu Hause“ in ihrem jeweiligen Herkunftsland und gleichzeitig sind sie voll offen für die Regeln und Werte, nach denen das soziale Leben in Deutschland organisiert ist.Die Diskussionsteilnehmer diskutierten lebhaft darüber, welche Faktoren einer Integration förderlich oder welche hinderlich sind und wie sich ausgehend von den unterschiedlichen Positionen in Familien die Situation für die Kinder und Jugendlichen darstellt. Leider fehlten dazu weitere kompetente Gesprächspartner aus der interkulturellen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aus Kindergärten, Schulen (besonders Hauptschulen), der Schulsozialarbeit an Hauptschulen und aus den Jugendfreizeitheimen (mit Ausnahme von Garching). Dazu kam, dass zwei Referenten kurzfristig absagen mussten, die bereit waren, speziell über ihre Erfahrungen aus dem Bereich der interkulturellen Arbeit mit Jugendlichen und der Arbeit in Deutschkursen mit Migranten/Innen zu referieren.Aus der Diskussion um Faktoren, die einer Integration förderlich oder hinderlich sind, konnte man 4 unterschiedliche Ausgangslagen oder Positionen identifizieren:

  • Migranten mit einer religiös traditionellen Orientierung (wie z.B. in manchen Moscheegemeinden anzutreffen)
  • Migranten mit einer religiös dialogbereiten Orientierung (neuere Ansätze, z.B. die islamische Gemeinde Penzberg)
  • Migranten mit einer eher laisierten Lebenssicht, jedoch ethnisch-national orientiert
  • Migranten mit einer eher laisierten Lebenssicht, die in der Aufnahmegesellschaft integriert sind



Wie sich Migranten in Fragen der Integration verhalten, hängt von ihrem Identitätsanker, bzw. dem ihnen verfügbaren Orientierungsinstrument ab. Dies ist für die einen die sprachliche Kompetenz und die kulturelle Offenheit in der Herkunftsfamilie. Für andere jedoch bleibt die Geborgenheit in eher geschlossenen familiären Welten und Zugehörigkeiten bestimmend. Wieder andere haben oder entdecken in der religiösen Lebensdeutung den bestimmenden Anker. Auch persönliche existentielle Erfolge (beruflich, materiell) vermögen einen vergleichbaren Anker zu bieten. Es darf nicht übersehen werden, dass es verschiedene Konstellationen von Verbindungen zwischen diesen Ankern gibt, z.B. sprachliche Kompetenz und starke religiöse Lebensdeutung, Geborgenheit in herkunftskulturellen Familienwelten und existentielle Erfolge. Zu Berücksichtigen ist auch die Ausprägung oder Stärke dieser Anker.

Ein wichtiger letzter Teil der Diskussion drehte sich um die Frage: was wollen und können wir auf dem Hintergrund dieser Situationsdiagnose von Seiten des Dialogforums tun?
Es scheint, dass die Debatte um den Schutz vor terroristischen und rechtsradikalen Angriffen derzeit das öffentliche Informationsinteresse beherrschen. Dazu kommt, dass das Ausländergesetz und die politischen Integrationsbemühungen bereits deutliche Kontrollwirkung zu haben scheinen.
Darüber hinaus gewinnt man den Eindruck, dass die breite Öffentlichkeit wenig Interesse an den Anforderungen zur interkulturellen Verständigung in alltäglichen Bereichen hat. Man scheint ganz gut nebeneinander leben zu können, ohne dass ein Miteinander attraktiv erscheint.

Das Dialogforum will und kann keine politische Plattform sein. Es will sich in seinen Mitgliedern selbst dialogfähig machen, einander respektvoll und wohlwollend zu begegnen. Ziel ist es, im Spiegel des Anderen sich selbst tiefer zu erfahren und erkennen, einen Weg des gemeinsamen Wollens aufgrund der gemeinsamen menschlichen Basis zu finden. Kulturelle Traditionen und religiöse Sozialisationen sollen nicht beiseite geschoben werden, aber sie sollen in Relation gesetzt werden zu dieser tieferen gemeinsamen Spiritualität. Aus dieser Aufgabenstellung heraus wird es ein Hauptanliegen des Dialogforums sein, vertrauensbildende Begegnungen zu fördern, in denen wir unterhalb unseren absoluten religiösen, kulturellen und auch ganz persönlichen Ich-Positionen eine spirituelle gemeinsame Realität berühren. Wir sind daran interessiert, mit allen Einrichtungen und Initiativen zur kulturellen und religiösen Begegnung zusammenzuarbeiten.

Wer immer von den Lesern/Innen dieses Berichtes Interesse an der Thematik hat, ist sehr herzlich eingeladen, seine/ihre Ideen zur Fortsetzung gerade dieses Anliegens an das Dialogforum (info (at) kultur-religion-dialog.de) zu schicken.